Die Kartoffel in Kunst und Literatur:
Lieder, Gedichte und Erzählungen

9. Wurde die Kartoffel auch witzig-ironisch besungen?

Dies tat natürlich Joachim R i n g e l n a t z (1883-1934), der Dichter mit dem sächsischen Mutterwitz und der "eingeborenen Lust an der Narrheit". Ähnlich wie seine verdrehten Verse vom "Seemann Kuddel Daddeldu" 1920 die heimkehrenden Kriegsfreiwilligen begeisterten, entzücken uns noch heute Ringelnatzens "Abschiedsworte an Pellka":

Jetzt schlägt deine schlimme Stunde,
du Ungleichrunde,
du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
du Vielgequälte,
du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
mit der Gabel! - - Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Musst nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
   
 
 
 
 
 
 
Du bist ein so rührend junges Blut. -
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, dass du eine Edelknolle
Warst, und dass dich ein Kenner verschlingt.

In den beiden letzten Kriegswintern starben in Deutschland 700.000 Kinder, Kranke und alte Menschen an Unterernährung (s. Kap. 1, Frage 23).



zurück - Seitenbeginn - home