Die Kartoffel in der Ernährung:
die Inhaltsstoffe

13. Welche Vitamine enthält die Kartoffelknolle?

Vitamine sind lebensnotwendige Reglerstoffe für den menschlichen Körper, die bereits in geringen Mengen wirksam sind. Die Kartoffelknolle kann als vitaminreich bezeichnet werden. Sie enthält folgende Vitaminkonzentrationen 100 g:

Vitamin A (Karotin):   1,67 g
Vitamin E:   0,06 mg
Vitamin K: 50,00 g
Vitamine B1, B2, B6:   0,36 mg
Niacin:   1,20 mg
Folsäure:   7,00 g
Pantothensäure:   0,40 mg
Biotin:   0,40 g
Vitamin C: 17,00 g

Nicht aufgeführte Vitamine (D und B12) sind in der Kartoffelknolle nicht enthalten.

Vitamin A ist für die Funktionsfähigkeit von Augen, Haut und Schleimhäuten wichtig. Es hat eine Schutzfunktion gegen Krebs. Da der Gehalt in der Kartoffelknolle sehr gering ist, ist es sinnvoll, in den Mahlzeiten Kartoffeln mit Möhren zu kombinieren, die einen sehr hohen Karotingehalt (Vitamin-A-Vorstufe) von 2000 g/100 g enthalten.

Vitamin E fördert die Vitalität des menschlichen Körpers. Es schützt die Zellen vor dem schädigenden Einfluß freier Radikale, reaktiven Stoffen, die zur Krebsentartung des Gewebes beitragen. Da der Gehalt in der Kartoffelknolle sehr gering ist, empfiehlt sich in den Mahlzeiten eine Kombination mit Kohlarten. Grünkohl ist mit 7,20 mg/100 g besonders Vitamin-E-reich.

Vitamin K wird für eine normale Blutgerinnung benötigt. Vitamin K1 hat aber auch allgemein vitalitätssteigernde Wirkungen, kann Leberschäden regenerieren, neutralisiert Mykotoxine (Pilzgifte), sorgt für straffe Haut und glänzendes Haar. Der Tagesbedarf von 60 bis 80 Mikrogramm kann mühelos mit einer Kartoffelmahlzeit von 200 g aufgenommen werden.

B-Vitamine sind wichtig für Gehirn und "gute Nerven" (B1), Haut und Augen (B2), Proteinauf- und -abbau, Fettverdauung und Immunabwehr (B6). Nur Vitamin B1, auch Thiamin genannt, ist in Kartoffelknollen in ausreichender Menge enthalten. Bei Eiweiß- und Thiaminmangel durch Verzehr von geschältem weißen Reis kommt es zu Störungen von Herz und Nerven und zu Muskelschwund. In ihrer schweren Form, wie sie nur in Hungergebieten auftritt, nennt man diese Krankheit Beriberi. Ein leichter Thiaminmangel ist aber auch in den westlichen Industrieländern nicht selten. Er ist bedingt durch einen zu hohen Konsum von Süßigkeiten, Weizenmehl mit geringem Ausmahlungsgrad und geschältem Reis. Erste Mangelanzeichen, wie Appetitlosigkeit, Müdigkeit, nachlassendes Gedächtnis und Verdauungsstörungen können durch den Verzehr von Kartoffeln behoben werden.- Die anderen B-Vitamine müssen mit Lebensmitteln tierischer Herkunft (Milch, Ei, Fisch, Fleisch) dem Körper zugeführt werden.

Niacin erfüllt ähnliche Aufgaben wie die B-Vitamine. Mit einer Mahlzeit aus Kartoffeln, Grünkohl und Schweinekotelett kann man den Bedarf von 15 mg/Tag annähernd decken. Einseitige Ernährung mit Mais, wie im 18. und 19. Jahrhundert in Südeuropa und heute noch z.B. in Mexiko, verursacht Hautveränderungen, depressive Verstimmung, Magen-Darm- und Nerven-Beschwerden. Dieses als Pellagra bezeichnete Krankheitsbild tritt bei einer Ernährung mit Kartoffeln nicht auf.

Folsäure ist zusammen mit Vitamin B12 für die Blutbildung verantwortlich. Da das Vitamin sehr hitzeempfindlich ist, sollte man Speisen nicht unnötig lange warm halten. Der tägliche Bedarf von 300 Mikrogramm kann von der Kartoffel nicht gedeckt werden. Daher ist besonders während der Schwangerschaft eine Kombination mit folsäurereichen Nahrungsmitteln, wie Schweineleber und Kohlgemüse zu empfehlen.

Pantothensäure und Biotin sind von zentraler Bedeutung für alle Umsetzungsprozesse des Körpers, wie der Nutzbarmachung von Nahrungsenergie. Eine ausgewogene Mischkost mit Kartoffeln sichert den Bedarf.

Vitamin C (Ascorbinsäure) ist das Vitamin, das der Kartoffel auch den Namen "Apfelsine des Nordens" eingetragen hat. In 100 g frischen Kartoffeln können bis zu 30 mg Vitamin C enthalten sein. Mit einer Kartoffelmahlzeit können Erwachsene gut die Hälfte, Kinder sogar 80 % ihres Tagesbedarfs decken (s. Frage 8). In Äpfeln liegen die Vitamin-C-Gehalte nicht höher als in Kartoffeln.

Die wasserlösliche Ascorbinsäure ist das wohl bekannteste Vitamin. Es erhöht die Immunabwehr, beschleunigt die Wundheilung und verhindert Zahnfleischbluten. Skorbut (Zahnfleischbluten, Zahnausfall und Magen- und Darmbluten) infolge Vitamin-C-Mangel trat bis in das 18. Jahrhundert vor allem im Frühjahr nach einem langen Winter verbreitet auf. Die einzigen Gegenmittel im Winter waren Äpfel und der ebenfalls Vitamin-C-haltige Sauerkohl. Das Bedürfnis der Menschen nach frischem Grün war so groß, dass sie im Frühjahr die ersten jungen Blättchen des Scharbockskrauts (= "Skorbutkraut") zu sich nahmen. Erst mit einer Zunahme des Kartoffelverzehrs verbesserte sich auch der Gesundheitszustand der Bevölkerung allmählich.

Der höchste Gehalt an Ascorbinsäure liegt dann in den Knollen vor, wenn das Kartoffelkraut seine maximale Assimilationsfähigkeit erreicht hat. Schon zur Ernte hin, wenn das Kraut vergilbt und allmählich abstirbt, geht der Vitamin-C-Gehalt wieder zurück. Daher haben Frühkartoffeln, die vorzeitig, bei noch grünem Kraut, geerntet werden, höhere Gehalte, als schalenfeste Kartoffeln für die Einlagerung. Es gibt auch Sortenunterschiede:
Hohe Vitamin-C-Gehalte entwickeln Knollen der Sorten Agria, Bettina, Christa, Linda, Rosella.



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