BVL genehmigt GVO-Freilandversuche

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, Nachrichten, Gentechnik

Obschon die öffentliche Meinung der Gentechnik in Lebensmitteln mehr als skeptisch gegenĂŒber steht, hat das Landwirtschaftsministerium mehrere Freilandversuche mit gentechnisch verĂ€nderten (GVO) ZuckerrĂŒben und Kartoffeln genehmigt.
Bei den Pflanzen handelt es sich um ZuckerrĂŒben und Kartoffeln.

ZuckerrĂŒben
Das Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat am 31. MĂ€rz 2008 der Firma Planta die Freisetzung gentechnisch verĂ€nderter ZuckerrĂŒben genehmigt. Die Pflanzen sollen an zwei Standorten in der Gemeinde Northeim (Niedersachsen) sowie in Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) und Dreileben (Sachsen-Anhalt) freigesetzt werden. Die genehmigten FreisetzungsflĂ€chen umfassen maximal 6000 Quadratmeter je Standort und Jahr mit einer Bestandesdichte von acht bis zwölf Pflanzen je Quadratmeter. Das Unternehmen darf die gentechnisch verĂ€nderten Pflanzen zwischen 2008 und 2011 freisetzen.

Kartoffeln
Zum gleichen Datum hat das BVL dem Unternehmen BASF Plant Science die Freisetzung gentechnisch verĂ€nderter Kartoffeln unter analogen Sicherheitsauflagen genehmigt. Gestattet wurden Freisetzungen auf FlĂ€chen in den Gemeinden Falkenberg/Elster (Brandenburg), Thulendorf (Mecklenburg-Vorpommern) und Ausleben, Ortsteil Üplingen (Sachsen-Anhalt). Die Grösse der pro Standort und Jahr genutzten FreisetzungsflĂ€che betrĂ€gt maximal einen Hektar. Die BASF darf in den Jahren 2008 bis 2012 maximal 45000 Knollen pro Standort und Jahr freisetzen, wobei die Pflanzdichte sich an der landwirtschaftlichen Praxis orientiert. Ähnliche Freisetzungen wurden bereits in den Jahren 2006 und 2007 genehmigt.

Auflagen zur Sicherheit
Das BVL kommt in seiner Sicherheitsbewertung zum Schluss, dass von den Freisetzungsversuchen keine schĂ€dlichen EinflĂŒsse auf Menschen und Tiere sowie auf die Umwelt zu erwarten sind, verfĂŒgt aber Vorsorgemassnahmen. Um eine Verbreitung der gentechnisch verĂ€nderten ZuckerrĂŒben zu vermeiden, muss der Betreiber die FreisetzungsflĂ€che und einen Kontrollstreifen um die FreisetzungsflĂ€che wĂ€hrend der Vegetationsperiode in zweiwöchigem Abstand auf RĂŒben kontrollieren, die BlĂŒtenstĂ€nde bilden und diese noch vor der BlĂŒte vernichten. Das gentechnisch verĂ€nderte Saat- und Erntegut ist zu kennzeichnen. Eine VerfĂŒtterung der ZuckerrĂŒben oder die Verwendung fĂŒr Lebensmittelzwecke ist nicht zulĂ€ssig. Nicht fĂŒr Untersuchungen verwendetes Material muss vernichtet werden. Nach Abschluss des Freilandversuches ist eine einjĂ€hrige Anbaupause fĂŒr ZuckerrĂŒben einzuhalten, um ggf. nachwachsende gentechnisch verĂ€nderte ZuckerrĂŒben auf der VersuchsflĂ€che einschliesslich des Randstreifens kontrollieren zu können.

Die zur Freisetzung genehmigten ZuckerrĂŒben enthalten ein Gen, das die Pflanzen gegenĂŒber dem herbiziden Wirkstoff Glyphosat tolerant macht. Im Rahmen der Freisetzung sollen die landwirtschaftlichen und typischen Merkmale der Pflanzen erfasst, Inhaltsstoffe analysiert und Wirkungen auf Nicht-Zielorganismen untersucht werden.

Um eine Verbreitung der gentechnisch verĂ€nderten Kartoffeln zu verhindern, wird der Betreiber zwischen den FreisetzungsflĂ€chen und Äckern mit nicht gentechnisch verĂ€nderten Kartoffeln zehn Meter Abstand einhalten. Das gentechnisch verĂ€nderte Pflanz- und Erntegut ist zu kennzeichnen. Vor der Ernte der Knollen werden die oberirdischen Teile der Kartoffelpflanzen chemisch oder mechanisch abgetötet. Die FreisetzungsflĂ€chen mĂŒssen im Jahr nach Beendigung der Freisetzung dahingehend kontrolliert werden, ob auf der FlĂ€che verbliebene gentechnisch verĂ€nderte Kartoffeln nachgewachsen sind. Ist dies der Fall, so ist die Nachkontrolle um ein Jahr zu verlĂ€ngern.

Im Freilandversuch sollen 538 Kartoffellinien mit unterschiedlichen gentechnisch verĂ€nderten Eigenschaften untersucht werden. Die ĂŒbertragenen Gene stammen aus der Kartoffel, einer Wildkartoffel sowie dem Ackerwildkraut “Ackerschmalwand”. Bei bestimmten Linien wurde die Zusammensetzung der StĂ€rke in den Knollen verĂ€ndert, so dass die StĂ€rke durch das Ausschalten einer Genfunktion einen geringeren Amyloseanteil aufweist. Weitere Kartoffellinien sollen widerstandsfĂ€higer gegen den Erreger der Kraut- und KnollenfĂ€ule sein. Die geernteten Kartoffeln werden vom Betreiber fĂŒr Untersuchungen verwendet oder können als Pflanzgut fĂŒr die darauf folgende Saison eingesetzt werden. Eine Verwendung der gentechnisch verĂ€nderten Kartoffeln als Lebens- oder Futtermittel ist nicht zulĂ€ssig.

Quelle:
Landwirtschaftlicher InformationsDienst, Schweiz

Die Umfrage zu den Kartoffelsorten

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, Kartoffelanbau

Hallo liebe Toffi-Freunde!

Die Kartoffelsaison steht mal wieder in der TĂŒr, und aus diesem Anlass machen wir eine Umfrage zu den Kartoffelsorten.

Falls Ihr oder Eure Nachbarn, Verwandte, Bekannte, etc. Kartoffeln anbauen,
welche Kartoffelsorten werden gepflanzt?
Es können noch Sorten hinzugefĂŒgt werden.
Als reiner Konsument könnt Ihr auch Eure beliebtesten Sorten auffĂŒhren.

Seit Ihr Landwirt, GÀrtner HobbygÀrtner oder Konsument?
Baut Ihr Konventionell oder BIO an, bzw. bevorzugt Ihr Konventionell oder BIO (BIO kostet mehr)?

Wann beginnt Ihr mit der Pflanzung?

Nach dem Anbau interessiert natĂŒrlich noch etwas anderes. Wie schmecken Euch die Kartoffeln, … oder besser gefragt:
Welche Kartoffelsorte schmeckt Euch am besten?

Eine letzte Frage beschĂ€ftigt sich mit der Sorte Linda. Das Saatgutunternehmen EUROPLANT wollte sie vom Markt nehmen, worauf die Initiative “Rettet Linda” entstand.
Haben Ihr davon gehört, und wie steht Ihr dazu?

Die Fragebögen findet Ihr bei http://www.toffi.net im Kartoffel-Talk in der Rubrik “Kartoffeln->Umfragen“. Bitte, wenn Ihr die Umfrage machen wollt, ruft die einzelnen Umfragen nacheinander auf und stimmt ab.

Wir bedanken mich schon im vorhinein ganz herzlich fĂŒr Eure Teilnahme
Euer
Toffi-Team

Kartoffel ist Kultur: von der Kultur der kleinen, alltÀglichen Vielfalt

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, Rezepte

Kindheitserlebnisse aus Westfalen

Noch vor nur einer Generation, also vor nur 30 Jahren war die Kartoffel mit Abstand wichtigstes Lebensmittel in unserem Land. Lebensmittel kommt von Leben, und das heißt Essen, und Essen ist Kultur.
Und Kartoffel.

Ist Kartoffel etwa Kultur?

Klar: Essen hieß fĂŒr mich damals
Kartoffeln!
Das Mittagsmahl eines jeden Tages:
Kartoffeln mit GemĂŒse und einem StĂŒck Fleisch, oder aber am katholischen Freitag auch so oft die geliebten Stampfkartoffeln mit Spinat und Spiegelei.
… oder aber in Ausnahmen kam dann auch der heißgeliebte Kartoffelpfannekuchen, “den Aardappelpannenkoek” … natĂŒrlich mit Appelkompott … auf den Tisch.

Kartoffeln,
und das mittags sieben Tage die Woche, und dann noch abends vielleicht 3 bis 4 mal wöchentlich Bratkartoffeln aus den Resten des mittags, … und vielleicht auch einmal den „Aardappelpannenkoek“?!?
ReibeplĂ€tzchen klang uns damals ganz bieder nach Arbeit, und der war doch so lecker … !

Die Kartoffelsoße verriet beim Mittagessen den Wochentag:
Montag bis Donnerstag mit brauner Soße - aus dem Fleisch oder klar braun aus dem „Arbeiterkotelett“ (panierter Speck),
Freitag mit klarer (fleischloser) Soße – Butter,
Samstag auch mal mit schwarz – brauner Soße aus dem Braten oder aus der Rollade,
… und am heiligen Sonntag endlich mit weißer Zwiebelsoße! Welch ein Genuss!!

Aber Kultur war nicht nur Essen!
Kultur braucht Raum!
Und die Kartoffel hatte ihren Raum: sie wurde im Keller eingelagert.
Jeder hatte irgendwo seinen Kartoffelkeller. Die Kartoffeln wurden im Herbst auf der Straße gekauft oder im eigenen Strebergarten geerntet, und standen im Winter dann im Keller. Damals standen die Lebensmittel „unten“ und in der Alltags-Werteskala noch ganz, ganz weit oben – und nicht nur im Supermarkt im Regal.
Und der Keller war fĂŒr die zwei K’s:
Kohle und Kartoffeln!
Essen und WĂ€rme!

Kultur ist Arbeit!
Das KartoffelkĂ€fersammeln im Sommer und die Kartoffelernte in den Kartoffelferien, den heutigen Herbstferien. Daran an schlossen sich dann ja die Fahrten in die Wohngebiete mit dem Straßenverkauf. Direktvermarktung ging damals noch anders!

Kartoffel ist Gender!
Da war zwar der Bauer als EigentĂŒmer des Landes und als Regler des Anbaus. Aber die Kartoffeln habe ich in meiner Kindheit nur mit anderen Frauen zusammen aufgesammelt, und diese Frauen bestimmten an diesen Erntetagen den Rhythmus des Hofes. Ihren WĂŒnschen hatte der Bauer zu folgen.
… wenn Frau Beilschmidt die Stimme erhob, stand der Bauer stramm!

Die Frau des Hofes bereitete damals tĂ€glich das Mahl mit Kartoffeln und gab beim “Kartoffel-Essen” zu allen wesentlichen Entscheidungen des Hofes ihren Segen.

Kultur ist Politik,
und Kartoffel ist Politik!
Wie wĂ€re die Industriegesellschaft ohne die Kartoffel geworden? … vielleicht niemals?!
Was wĂ€re Karl Marx ohne die Kartoffel geworden? … vielleicht Lehrer?!
Und was wĂ€re der Generaldirektor von Siemens ohne die Kartoffel geworden? … vielleicht Kleinbauer?! … dann mĂŒsste er auch manches mal 90 Stunden die Woche arbeiten!

Die Kartoffel hat unsere Welt verĂ€ndert und nicht nur unsere Vorfahren gesĂ€ttigt. So dĂŒrfen wir aus Anlass des Weltkartoffeljahres 2008 hoffen, dass sie dies eines Tages auch in Völkern vollbringen wird, in denen heute noch viele Menschen hungern.
… frei nach dem Motto:
sieben Tage hat die Woche, sieben Soßen die Kartoffel!

Ja,
Kartoffel war Vielfalt und Kartoffel war Kultur!
Und das wird sie hoffentlich auch wieder werden.
… zum Wohle der Menschheit!

Prinz Joachim von DĂ€nemark dankt Peru fĂŒr die Kartoffel

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, BioKartoffelbau, Nachrichten

Das “Danish Potato Council” ehrte mit einer Dankeskarte die Nation Peru und ihren PrĂ€sidenten fĂŒr die unschĂ€tzbare Kartoffel.
Die Andina News Agency berichtete darĂŒber, dass die Kartoffel Europa vor den schlimmsten Hungernöten bewahrte. Dies und der damit verbundene Preis ist die höchste Ehrung, die Peru jemals fĂŒr die Kartoffel erhielt.
In einer von David Spooner 2005 veröffentlichten Studie konnte der Ursprung der Kartoffel in der Region SĂŒd-Peru Nordufer des Titicacasees festgestellt werden.

Welthandel mit der Kartoffel

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, Markt, Nachrichten, Jahr der Kartoffel

Erstmals sind die LĂ€nder der industriellen Entwicklung, die sogenannten SchwellenlĂ€nder die weltweit wichtigsten Produzenten und Importeure fĂŒr die Kartoffel. 2005 war ihre Produktion erstmals grĂ¶ĂŸer als die der IndustrielĂ€nder. ZusĂ€tzlich importierten sie 2005 Kartoffel im Wert von ĂŒber 6 Millarden Dollar. Gleichzeitig verlagert sich die Nachfrage von der frischen Kartoffel auf weiterverarbeitete Kartoffelprodukte.
Trotz der Bedeutung, die Kartoffel als Grundnahrungsmittel und der KapazitÀten, die sie im Kampf gegen Armut und Hunger hat, wurde sie von den Agrarpolitiker mit Einfluss auf den Anbau von Lebensmitteln bislang weitestgehend ignoriert.

In den letzten 20 Jahren ging die Kartoffelproduktion der IndustrielĂ€nder im Mittel um jĂ€hrlich 1% zurĂŒck. Gleichzeitig vergrĂ¶ĂŸerte sie sich bei den LĂ€ndern in industieller Entwicklung um jĂ€hrliche 5%. Die asiatischen LĂ€nder und insbesondere mit China und Indien haben dieses Wachstum angestoßen. 2005 produzierten sie 52% der weltweiten Erntemenge. Vor 20 Jahren betrug diese Menge gerade mal 1/5 so groß. Trotzdem liegt diese Wachstumsquote immer noch unterhalb der des Bevölkerungswachstums.

Der Konsum an Frischkartoffeln ging insbesondere in den IndustrielĂ€ndern zurĂŒck, wĂ€hrend der Verbrauch an verarbeiteten Kartoffelerzeugnissen stark zunahm. Die Ursache hierfĂŒr ist vielfĂ€ltig:

- VerstÀdterung der Bevölkerung
- Einkommenszunahme
- Diversifizierung der ErnÀhrung
- notwendige Zeit zur Zubereitung

Schon seit Mitte der 90er Jahre werden mehr verarbeitete Kartoffelprodukte als Frischkartoffeln gehandelt. Die Frischkartoffel wird vor allem auf den regionalen MĂ€rkten verkauft. Ihr relativ großes Volumen und die Kosten ihrer EntwĂ€sserung stehen ihrer internationalen Vermarktung im Weg. Nur 6% der Gesamterntemenge gelangen in den Welthandel.

Fast ĂŒberall auf der Welt bestehen Handelsschranken fĂŒr den Kartoffelhandel. Damit versuchen Politiker die internen MĂ€rkte gegen Importe zu schĂŒtzen. Auch sanitĂ€re und phytosanitĂ€re Barrieren erschweren ihren Handel. Die Kartoffel wird damit zu einem klassischen Beispiel fĂŒr die progressive Entwicklung von Zollbarrieren. Dabei hat die Welthandelsorganisation (World Trade Organization, WTO) ein großes internationales Handelspotential fĂŒr diese Kulturpflanze ausgemacht. Nach der Ministerkonferenz der WTO in Doha/Katar fĂŒhrte jedoch die Zeitknappheit noch nicht zum Abschluß dieser Probleme.

Quelle:
FAO, http:/ /www.potato2008.org

10 Jahre ErnÀhrung in Deutschland

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, Markt, Nachrichten

Die ZMP GmbH, Bonn (http:/ /www.zmp.de) berichtet am 02.01.2008 ĂŒber die ErnĂ€hrungsgewohnheiten der Menschen in Deutschland.

Seit 2000 hat sich das Konsumverhalten nur unwesentlich geĂ€ndert. Der Fleischverzehr hat sich auf einem leicht reduzierten Niveau von rund 60 Kilogramm pro Jahr eingependelt. Auch der Konsum von Milch und Butter hat bleibt unverĂ€ndert konstant. Der Konsum von KĂ€se, der bis zur Jahrtausendwende kontinuierlich gestiegen ist, hĂ€lt seither seinen hohen Stand. Auf einem konstant höheren Niveau als in den 90er Jahren bewegt sich auch der Verbrauch von Obst und GemĂŒse.

Das Interesse der Verbraucher an Milchmischerzeugnissen hat seitdem weiter zugenommen. Dazu zĂ€hlen unter anderem die zahlreichen festen und flĂŒssigen Joghurtvarianten und MilchmischgetrĂ€nke. Auch der Zucker- und Schokoladeverbrauch ist gewachsen. Desgleichen scheint der Appetit auf Nudeln ebenfalls noch nicht gestillt zu sein.

Der Kartoffelnverbrauch hingegen ist weiter gesunken, wĂ€hrend der RĂŒckgang im Eierkonsums 2005 zum Stillstand gekommen ist. Der Getreideverbrauch schwankte in den vergangenen Jahren, liegt jedoch deutlich ĂŒber dem Niveau der 90er Jahre.

Unter den GetrÀnken verzeichnen Wasser und ErfrischungsgetrÀnke Zuwachsraten, wÀhrend der Verbrauch von alkoholischen GetrÀnken sich auf einem niedrigeren Niveau stabilisiert hat.

Die Tabelle dazu sieht das so aus:
______________________________________________95/96_____97/98_____99/00____01/02_____03/04_____05/06
Kartoffeln (kg)__________________________________72,80_____72,30_____70,00_____68,50_____66,80_____63,00
Marktverbrauch Obst (kg, frisch/verarbeitet)_________94,50____102,40____109,70____118,70____124,80____121,90
Marktverbrauch GemĂŒse (kg, frisch/verarbeitet)______77,30_____78,10______81,20_____85,40_____84,60_____84,30
Quelle: ZMP/BMELV/Verbandsangaben nach Kalenderjahren/Wirtschaftsjahren

Quelle:
ZMP GmbH, Bonn, http:/ /www.zmp.de, 02.01.2008

Gold fĂŒr die Welt: Die Kartoffel kommt nach Europa

- Kategorie Allgemein, Kartoffel, Geschichte, Jahr der Kartoffel

Zwischen 1532 und 1572 eroberten die Spanier das Inkareich. Die Invasion fand in der Suche nach Gold statt, doch am Ende fanden sie mit Solanum tuberosum ein Grundnahrungsmittel, das ein wahrer Schatz fĂŒr die ganze Welt werden sollte.

Bereits 1565 wurden die Kartoffel auf den Kanarischen Inseln angebaut.
1573 ist ein erster Anbau auf der Iberischen Halbinsel nachgewiesen.
1597 wurde sie dann bereits in London kultiviert.
Die Kartoffel fand Interesse in den Botanischen GĂ€rten Europas. Von den Landwirten jedoch wurde sie als giftig fĂŒr die menschliche ErnĂ€hrung erachtet und daher nur als Viehfutter genutzt.
Allein Seefahrer bauten bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts Kartoffeln entlang ihrer Reiserouten an. Mit ihnen konnten sie dann unterwegs immer wieder ihre Nahrungsreserven auffĂŒllen.
Nur in Irland mit seinem feuchten Klima fand die Kartoffel einen ĂŒberragenden Anklang. Am Anfang des 18. Jahrhunderts wurde sie dann von IrlĂ€ndern nach Nordamerika eingefĂŒhrt.

Aber nicht nur die Skepsis der Landwirte bremste die Ausbreitung der Kartoffel in Europa. Als Kurztagspflanze musste sie zunĂ€chst einmal zĂŒchterisch an die langen europĂ€ischen Sommertage angepasst werden. Dies dauerte ĂŒber 150 Jahre. Erst als in den 70er Jahren des 18. Jahrhunderts große Teile Europas von einer Hungernot verwĂŒstet wurden, wurde der Wert der Kartoffel fĂŒr die ErnĂ€hrungssicherheit erkannt. Die Tricks von Friedrich dem Großen verfehlten nicht ihre Wirkung; der französische Wissenschaftler Parmentier machte sich um die Anerkennung der Kartoffel als Nahrungsmittel verdient; Thomas Jefferson servierte seinen GĂ€sten im Weissen Haus stets “Pommes Frites”.

Bereits 1815 war die Kartoffel zur Zeit der Napoleonischen Kriege das Grundnahrungsmittel. Sie trug entscheidend als Nahrungsgrundlage der Kleinen Leute, die einfach auf kleinen Parzellen anzubauen war, zur Industrialisierung in England bei. Im 19. Jahrhundert konnten durch den Kartoffelkonsum wichtige Krankheiten wie der Skorbut nahezu beseitigt werden, so dass es durch den damit verbundenen GeburtenĂŒberschuss in Europa, Nordamerika und im britischen Imperium zur Bevölkerungsexplosion kam.

Nach der irischen Kartoffel-Hungersnot 1845 bis 1848 wurde verstĂ€rkt Energie in die Zucht krankheitsresistenterer und zugleich produktiverer Kartoffelsorten gesteckt. Dazu wurde Genmaterial aus Chile importiert. Diese Entwicklung war Voraussetzung fĂŒr die enorme Produktion der Kartoffel in Europa wĂ€hrend des 20. Jahrhunderts. In der alten Sowjetunion wurden dabei Jahresernten von ĂŒber 100 Millionen Tonnen erreicht. Zur gleichen Zeit wurde der Kartoffelbau durch europĂ€ische Kolosiatoren und Missionare ĂŒber die ganze Welt verteilt. Fast-Food-Ketten wie McDonalds oder McCain trugen das ihrige zur Ausbreitung der Kartoffel bei. Heute geht der Konsum der Kartoffel in den IndustrielĂ€ndern zwar wieder zurĂŒck. Jedoch vermehrt sich ihr Konsum in den SchellenlĂ€ndern Asiens und den LĂ€ndern des sĂŒdlichen Afrikas zur gleichen Zeit um ein Vielfaches. Der Geschichte der Kartoffel steht eine hervorragende Zukunft noch bevor.

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